• moniplump

Ein perfekter Tag

Vor ca. 8 Monaten bekam ich einen Anruf. Hallo hier ist Bella aus Berlin. Ich verfolge dich schon so lange auf Facebook und jetzt möchten auch wir endlich so schöne Fotos von dir bekommen. Mein Gott, was für eine ehre. Berlin. Ich war noch nie in Berlin und dann dort auch noch fotografieren? Fast wie ein Traum. Die Vorstellungen welche Bella vom Shooting hatte waren schon ein absoluter Traum, dass sie das aber auch ganz genauso umgesetzt hat grenzte schon an ein kleines Wunder.

Aber von Anfang an. Die Nacht vor dem Flug nach Berlin war ich so aufgeregt, dass ich keine einzige Minute schlafen konnte. Ich war so wahnsinnig aufgeregt. Ich wusste gar nicht so genau warum. Es war ja nicht mein 1. Shooting. Nun ja, nachdem ich mich stundenlang im Bett gewälzt habe ging es dann endlich mitten in der Nacht zum Flughafen Düsseldorf. Pünktlich startete der Flieger in Richtung Berlin. Dort angekommen, ging es mit dem Mietwagen erstmal in die Stadt, bevor es anschliessend in das Hotel ging welches Bella für mich gebucht hat. Kurz geduscht und frisch gemacht ging es zum persönlichen kennenlernen Grillen. Mein Plan war eigentlich früh ins Bett zu gehen, hatte ja immernoch keine Minute geschlafen. So 1-2 Stündchen zum Grillen gehen, dann ins Bett. Naja, natürlich wurde daraus nichts. Es wurden fast 6 Stunden. Mit Lagerfeuer einem Gläschen Wein und super schönen Gesprächen vergisst man die Müdigkeit und die Zeit ganz schnell. Es war ein so wahnsinnig schöner Abend; und das Essen welches serviert wurde ein Traum. Ich glaube 5 Kg mehr auf der Wage habe ich mit nach Hause genommen. Nachdem ich dann endlich ein paar Stündchen geschlafen habe, starteten wir am nächsten Morgen mit dem Shooting. Das Fotografinnenherz schlug bis an den Anschlag, als ich die "Location" sah. Es hätte nicht schöner sein können. Ein Tippizelt unter alten Apfelbäumen. Wimpelketten, ein wunderschöner gedeckter Tisch. Mein Gott, ich war im 7. Himmel. Die Kamera blieb keine 5 Sekunden in der Tasche und lief sofort auf Hochtouren. Aber auch an diesem "Shootingtag" hat es mir an nichts gefehlt. Das Essen wiedermal ein absoluter Traum. Auch die Gespräche waren so wundervoll, aber manchmal auch etwas traurig. Wenn eine Familie ein Kind mit dem Down Syndrom hat wird natürlich auch das zum Thema. Ich ziehe so sehr meinen Hut vor ihnen und bin so unendlich dankbar, dass die kleine Rosalie die Welt ein kleines bisschen bunter machen darf. Um ein bisschen zu verstehen, warum ich diese Familie so sehr in mein Herz geschlossen habe und warum sie jeglichen Respekt verdient haben ist folgender. Während der Schwangerschaft erfuhren sie, das ihr Baby eine Trisomie haben wird. Kurz vor der Fruchtwasseruntersuchung fiel der Verdacht einer Trisomie 18. Ihr wurde eindringlich geraten abzutreiben, denn die Überlebenschancen für ein Kind mit einer Trisomie 18 sind sehr, sehr gering. Für die Eltern war dies allerdings keine Option. Sie wollten ihr Kind nicht töten. Das Kind und der liebe Gott sollten selber entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt kommt. Die Mama hat sich auf eine Totgeburt eingestellt. Aber selbst umbringen, nein, das kam für beide Eltern keineswegs in Frage. Im Ultraschall sah man zudem eine große Wasseransammlung im Kopf. Alles keine guten Zeichen. Dennoch blieben sie bei ihrer Entscheidung. Das Baby soll zur Welt kommen und wenn es nur 5 Minuten die Nähe und Liebe der Eltern spüren darf. Dann würde Rosalie wenigstens mit dem Gewissen zu den Engeln ziehen, sie war gewollt und wurde geliebt. 3 Wochen nach der Fruchtwasseruntersuchung kam die erlösende Nachricht. Trisomie 21. Das "ganz normale" Down Syndrom.

Rosalie kam auf die Welt. Das kleine, große Wunder kam auf die Welt. Rosalie hatte Auch das Wasser im Kopf war nicht mehr da. Ein wundervolles, perfektes Kind hat das Licht der Welt erblickt und wird keine 5 Minuten, sondern viele viele Jahre die unendliche Liebe und Wärme der Eltern spüren dürfen. Ich danke euch so sehr für euer Vertrauen in mich und meine Arbeit, ich danke euch für die so wundervolle Zeit bei euch, am aller Meisten danke ich euch aber dafür, dass Rosalie leben darf.

Kurz bevor ich mich auf den Weg zum Flughafen machen musste, bekam ich eine E-mail, dass mein Flug von Berlin nach Düsseldorf annulliert wurde. Prima, ohne Gründe, wobei diese an der kleinen Katastrophe auch nichts geändert hätten. Einen alternativ Flug hätte ich am nächsten Nachmittag bekommen. Nach langem überlegen habe ich mich dazu entschlossen, den Mietwagen nicht in Berlin sondern in Düsseldorf abzugeben. 6 Stunden Autofahrt lagen nun vor mir. Aber dieses wundervolle Berlin - Wochenend - Feeling konnte mir keiner nehmen. Auch kein annullierter Flug. 00:30h war ich dann endlich zuhause. Völlig fertig und übermüdet. Aber an das Bett war nicht zu denken. Ich musste an den Rechner und musste mit der Bearbeitung anfangen. Ich liebe halt was ich tue und daran wird sich nie etwas ändern.



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